Schubert in Gastein – Music’s Coming Home

Schubert in Gastein

Ob bestimmte Musik wohl an bestimmte Orte gehört? Vielleicht. Wenn dem so ist, dann hat Bad Gastein sein ganz eigenes Stück Musik. Dank Franz Schubert nämlich, der hier einen bedeutsamen Sommer verbracht hat. Im September klingt ein paar Tage lang seine Musik wieder durch den beliebten Kurort.

Nach Bad Gastein wird schon ziemlich lange gereist. Diesem Gedanken kann jeder leicht nachspüren, der vor einem der großen alten Belle Époque Hotels steht. Schwerer vorzustellen ist, so von heute aus betrachtet, Folgendes: Dass Bad Gastein für einen – sehr zurecht – berühmten Wiener vor fast 200 Jahren der Zielpunkt der weitesten Reise seines Lebens wurde. Im Sommer 1825 war Komponist Franz Schubert in Bad Gastein und in Salzburg zu Gast. Drei Jahre später starb er. Und sollte, auch wegen seiner chronisch knappen Kasse, nie wieder soweit weg von zu Hause gewesen sein. Aber große Musik hat er auf dieser Reise wohl geschrieben. Die Gmunden-Gasteiner Sinfonie nämlich. So vermutet man zumindest.

Schuberttage Gastein Eröffnungskonzert

Ein Treffen von Damals und Heute

200 Jahre sind vergangen seit das junge Genie zwischen den Bergen neue Musik ersonnen hat… das ist eine lange Zeit. Franz Schuberts musikalischer Ruhm hat diese zwei Jahrhunderte aber leicht überdauert. Vielleicht ist sie sogar wieder dabei, größere Kreise zu ziehen. Schließlich gewinnt klassische Musik so langsam auch wieder jüngere Hörer. Eher in etwas poppigeren Gewändern und hauptsächlich, wenn es um Klaviermusik geht, aber immerhin: Künstler wie Nils Frahm, Chilly Gonzales oder Dustin O’Halloran ziehen ein großes Publikum an. Und eins haben sie in jedem Fall mit Schubert gemeinsam: Eine Faszination für das stille Beobachten und Innehalten zwischen den Tönen und Zeilen. Wer das mag, kann sehr gut mal einen Sprung rüber ins ganz Klassische wagen. Und dann gerne zu Schubert.

Es ist also nicht unbedingt nur eine Sache für die Älteren, wenn ab Donnerstag dem 14.9. in das „Schubert in Gastein“-Festival gefeiert wird. Ein Zufall ist es sicher nicht, dass schon im Programmheft von jenen Passagen in Schuberts Musik die Rede ist, in denen „die Zeit stillzustehen scheint“. „Die Zeiten, Epochen und Jahrhunderte werden eins“, heißt es dort auch aus Expertensicht über Schubert-Konzerte. Beim Festival trifft sich also was: Das Stillhalten, das wieder aktuell wird. Die Musik des Komponisten mit dem Ort, an dem er sie einst im Kopf und auf Notenblättern spazieren getragen hat. Und das Damals mit dem Heute.

Abgründe und Höhen – nicht nur in den Bergen

Ein schöner und leicht greifbarer Gedanke ist da auch, dass sich die Musik an den vier Festivaltagen nicht nur in einen Konzertsaal verkriecht, sondern durch Bad Gastein und seine Nachbarorte wandert: Sie wird in Gebäuden klingen, die auch Schubert besucht haben könnte. In der Preimskirche und im Weitmooser Schlössl zum Beispiel. Dazu im Foyer des wunderschönen Grand Hotel de l’Europe in Bad Gastein und in der Böcksteiner Kirche. Und sie wird gespielt von Menschen, die just in dem Ort leben, den Schubert 1825 auch bereiste. Von sehr kundigen Menschen: Den Mitgliedern des auch weit über Österreich hinaus bekannten Kammerorchesters Camerata aus Salzburg.

Schubertfestival in Bad Gastein

Gibt es einen besonderen Tipp? Vielleicht das Kammermusik-Konzert am Samstagabend in Hofgastein. Shane Woodborne, der Chef der Camerata hatte sich bei einer früheren Festival-Ausgabe schon Gedanken über Schubert’s Reise gemacht: „Für einen der sein Leben in Wien verbracht hat, auf einmal in diese Landschaft versetzt zu sein, das war bestimmt ein enormes, beeindruckendes Erlebnis“, meinte er: „Der war überwältigt von der Berglandschaft.“ Warum also nicht selbst zum Weitmoser Schlössl am Bergfuß nach Hofgastein wandern. Und dort dann Schuberts letztes Kammermusik-Werk hören. Das pendelt zwischen völliger Ruhe und tiefen Abgründen – auch ein Stilmittel, das sich im spannenderen Teil ganz moderner Musik wiederfindet.

Musik, echte Konzertgänger wissen das, wirkt immer besonders intensiv, wenn sie mit einem besonderen Ort zusammenkommt. Und den Gedanken des Zuhörers. Im Idealfall könnte es also so funktionieren: Erst auf den Spuren Schuberts durchs mystische Bad Gastein laufen und den Wegen des jungen Komponisten nachspüren. Und dann seinen Ideen nachhören. Dann bleibt, wahrscheinlich, eines von Schuberts bekanntesten Zitaten: „Wer die Musik liebt, der kann nie ganz unglücklich werden.“

Copyright Fotos: Gasteinertal Tourismus, Steinbauer Photography
Copyright Text: Nadin Brendel für Studio5640.com

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