Kühle Kunst – Art on Snow im Gasteinertal

Kunst anschauen und Winter, das passt ziemlich gut zusammen. Klingt aber nicht besonders spannend. Zu unrecht: Dass Kunst in der kalten Jahreszeit nicht nur im Museum vorkommt, zeigt das „Art on Snow“-Festival im Gasteinertal.

Kühle Kunst: „Art on Snow“ im Gasteinertal

Nichts ist so schön wie das Vergängliche: Was für Urlaub, Sommerabende und auch das üppigste alpenländische Festessen gilt – es ist so gut, weil es viel zu schnell wieder vorbei ist – trifft durchaus auch mal im Falle von Kunst zu. Auch, wenn die, zumindest in Form von Gemälden und Skulpturen, eigentlich als für die Ewigkeit gemacht gilt. Die ganz große Ausnahme gibt’s beim „Art on Snow“-Festival im Gasteinertal. Hier kommt die Kunst als flüchtiger Augenblick aus Wasser in seiner schönsten Form daher: Als Skulpturen und Land-Art aus Schnee und Eis.

Seit 2012 schon gibt es beim „Art on Snow“ jedes Jahr Kunst aus Schnee zu sehen. Und noch einiges mehr drumherum: Installationen und Fotoausstellungen etwa. Schließlich ist „Art on Snow“ das größte Kunstfestival der Alpen. Aber der Fokus liegt schon auf dem kalten, weißen Gold. An unterschiedlichsten Orten in Bad Gastein, Dorfgastein, Bad Hofgastein (und zum Beispiel sogar an der Bergstation im Angertal) fertigen international bekannte Künstler ihre Formen aus Eis und Schnee. Vom 28. Januar bis 3. Februar ist es 2018 soweit.

Winterliches Äquivalent für Kornkreise

Als prominenter Gast wäre etwa Simon Beck zu nennen. Der Brite knüpft mit seiner „Schneemalerei“ an etwas an, das die Menschen seit Jahrhunderten fasziniert: Nur mit einem Paar Schneeschuhe zaubert er aufwändigste, dutzende Meter große Figuren in den jungfräulichen Neuschnee – ein winterliches Äquivalent der Kornkreise. Das natürlich von hoch oben am besten aussieht. Kein Problem, bei all den Bergen, Gondeln und Liften im Gasteinertal… Beck bereist mit seiner vergänglichen Kunst mittlerweile die ganze Welt. Rund um Gastein scheint es ihm aber besonders gut zu gefallen. Schon zum dritten Mal ist er beim „Art on Snow“ in Gastein dabei.

Simon Beck
Simon Beck

Richtig große Kunst in jedem Wortsinne macht aber auch das Allgäuer Künstlerkollektiv Soma Vision. Gleich zwei Künstlergruppen des Kollektivs werden für das Festival begehbare Schneeskulpturen an der Mühlwinkelhütte am Fulseck in Dorfgastein sowie im Angertal in Bad Hofgastein erstellen. Eine temporäre Wunderwelt zum Drinherumlaufen also. Der man nicht nur im Frühjahr beim Vergehen, sondern sogar beim Festival beim Entstehen zusehen können wird: An den beiden Auftakt-Tagen des „Art on Snow“ wird vor Publikum noch an den beiden Werken gefräst und geschaufelt werden. Danach können die Besucher selbst Schritte in die Kunst hinein wagen. Das ist dann auch für Kinder ein Highlight.

Einmal selbst einen Gewinner küren – und zweimal feiern

Insgesamt sind es acht renommierte Eis-Künstler und Eis-Künstler-Gruppen, die beim „Art on Snow“ ihr Können beim Fräsen, Schaufeln, Schnitzen und Stapfen am Schnee zeigen. Und beim Eisschnitzwettbewerb am 30. Januar in Bad Hofgastein sogar noch einmal acht echte Könner auf einmal dazu. Den Sieger darf hier das Publikum bestimmen.

All das hat dann natürlich auch zwei große Parties verdient: Beim Kunstgewitter am 28. Januar an der Talstation der Fulseckbahn in Dorfgastein projiziert der Künstler Daniel Rauch nicht nur eine Videoinstallation auf eine riesige Schnee-“Leinwand“… es gibt dazu auch noch ein DJ-Set, eine Pistenraupen-Performance und eine Feuershow. Glühwein natürlich auch. Und am 2. Februar endet das Festival mit einer „Art Off“-Party in Bad Gastein.

Bad Gastein im Winter
Bad Gastein im Winter

Sportliche Kunst mit Verfallsdatum

Klar, dass all die künstlerische Energie auch ein wenig in Bahnen gelenkt wird. Das „Art on Snow“ hat 2018 ein Motto mit historischem Bezug. Denn vor 60 Jahren kam die Alpine Ski-WM nach Gastein. Zeit, das Ereignis, das für das Gasteiner Tal mit all seinem Publikumsansturm und der medialen Präsenz eine neue Ära einläutete, angemessen zu feiern. Mit Skulpturen zum Thema „Alpine Ski WM 1958 – 60 Jahre internationaler Skisport in Gastein“ eben. Das trifft sich ohnehin ganz gut: Schließlich inspiriert der Style der 50er-Jahre gerade wieder so einige kreative Köpfe.

Dass das überraschend sportliche Thema durchaus als Starthäuschen für künstlerische Ideen taugt, lässt vorab schon mal das „Team Austria“ unter den Schneeschnitzern erahnen: Die Gruppe um die Tiroler Brüder Daniel und Bernhard Hölzl wählt gerne einen mathematischen Zugang zum eiskalten Blickfang, um der Sache einen kleinen Zusatztwist zu verpassen. Diesmal sind die Maße der geplanten Skulptur Querverweise auf die Höhe des WM-Bergs Graukogel, die Jahreszahlen des Jubiläums oder die Pistenlängen der historischen Abfahrten. Stoff zum Nachdenken.

Nur zu viel Zeit sollte man sich mit dem Gucken und Staunen nicht lassen. Denn nach sieben Tagen, am 2. Februar, endet das „Art on Snow“ schon wieder. Und spätestens ein paar Wochen später löst sich die ganze Pracht für immer auf. In Wasserdampf und ein paar unauffällige Pfützen. Auch das ist eigentlich ein schönes Bild für die Kunst – und das ganze Leben.

Copyright Fotos: Gasteinertal Tourismus, Text: Nadin Brendel für Studio5640.com in Bad Gastein

 

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