Heilung seit hunderten Jahren: Thermalquellen in Gastein

Das Dunstbad in Bad Gastein

Dass Wasser seit jeher einen besonderen Reiz auf Menschen ausübt, liegt in der Natur der Sache. Wasser ist Leben. Immerhin besteht auch der Mensch zu 80 % aus Wasser. Dass Wasser allerdings auch das Leben und die Gesundheit des Körpers positiv beeinflussen kann, ist quasi ein „add-on“ der besonderen Art. Klar, man sollte mindestens zwei Liter Wasser am Tag trinken. In Bad Gastein jedoch sollte man mindestens einmal am Tag im Wasser baden. Wieso? Nun ja, das Wasser der Thermalquellen von Bad Gastein hat eine ganz besondere Wirkung auf den Körper…

Anno dazumal.

Aus dem Jahr 1230 n. Chr. stammt das Badegedicht „Die Graserin in der Gastein.“ Das mittelalterliche Gedicht beschreibt unter anderem die warmen Quellen von Gastein. Allerdings dauerte es noch gut 200 Jahre bis sich Kaiser Friedrich III. im rund 45 Grad warmen Heilwasser niederließ. Und das ganze acht Wochen lang. Ob das Heilwasser seinen Körper und Geist nachweislich positiv beeinflusste, ist an dieser Stelle nicht überliefert. Allerdings wurde der römisch-deutsche Kaiser 78 Jahre alt. Das war im späten Mittelalter bzw. in der frühen Neuzeit ein wahrlich biblisches Alter. Sollte es jedoch das Gasteiner Thermalwasser gewesen sein, das Friedrichs Leben verlängert hat, so war es nicht das Wasser an sich, sondern das darin enthaltene Radon. Der wohldosierte Strahlenreiz des Edelgases leistet den Menschen erquickende Dienste – ob man nun gesund oder krank ist. Denn Radon stabilisiert das Immunsystem, regt den Stoffwechsel der Zellen an und erhöht so das Reparaturpotenzial des Körpers. Weiteres wird dem Edelgas fruchtbarkeitsfördernde Wirkung nachgesagt – ein „Hirngespinst“ würden Gelehrte und Ärzte dazu sagen. Überliefert ist jedoch, dass Anne Marie Mozart knapp neun Monate nach einem Kuraufenthalt in Bad Gastein den kleinen Amadeus auf die Welt brachte. So gesehen könnte das musikalische Genie ein Nebenprodukt einer wohltuend heilsamen Kur mit und im Thermalwasser gewesen sein. Und ja: Radon ist radioaktiv, allerdings kommt es – wie in allen Dingen des Lebens – auf die Dosis an.

Wie kommt’s?

Geschichte der Thermalquellen
Schon vor 700 Jahren circa wusste man von der heilenden Wirkung der Gasteiner Thermalquellen.

Anfang des 20. Jahrhunderts gelang es der französischen Chemikerin und Physikerin Marie Curie das Radongas im Gasteiner Thermalwasser nachzuweisen. Richtig gehört: Marie Curie, die zweifache Nobelpreisträgerin. Zwar war sie nicht selbst in Bad Gastein zugegen, konnte das Edelgas jedoch in einer zugeschickten Probe belegen. Nun stellt sich die Frage: Warum gerade hier in Gastein? Die Antwort darauf liegt ca. 2000 Meter unter der Erde. Seit mehreren tausend Jahren versickert Regen- und Schmelzwasser langsam in große Tiefen. Das Sickerwasser löst bei diesem Prozess Spurenelemente aus dem Gestein – unter anderem Radium. Im Wasser zerfällt das Radium zu Radon, einem Edelgas. Je tiefer das Wasser in das Gestein sickert, desto wärmer wird es auf Grund des immer stärker werdenden Drucks. Und da warmes Wasser leichter ist kaltes, steigt es durch 23 Gasteiner Thermalquellen wieder an die Oberfläche – mit einer Ergiebigkeit (einer sogenannten „Schüttung“) von fünf Millionen Litern am Tag. 17 dieser Quellen sind „gefasst“ und werden zu Heilzwecken in diversen medizinischen Einrichtungen und Kurhotels genutzt. Die größte dieser Quellen ist die „Elisabethquelle“ mit ihrem zwei Quadratmeter großen Becken und einer Temperatur von 46,1 Grad Celsius. Mit über 1200 Litern pro Minute sprudelt das Wasser am sogenannten „Badberg“ an die Oberfläche.

Und was nun?

Ein Abriss aus der jüngeren Geschichte Bad Gasteins zeigt: Verschiedenste Leiden wurden im Zuge einer Kur gemildert. Und die dazugehörigen Charaktere mehr oder minder wieder auf Spur gebracht. Der schwere Rheumatiker Gustav Klimt muss es wohl den Gasteiner Quellen zu einem Großteil verdanken, dass er seine bahnbrechenden Jugendstil-Werke überhaupt malen konnte. Selbst wenn diese in der heutigen Zeit gut und gerne verkitscht werden. Auch Sigmund Freud erfreute sich an der „Geopsyche“ des Kurorts samt seinem Wasser. Die berühmteste Verfechterin der Bad Gasteiner Quellen jedoch war Kaiserin Elisabeth – „die Sissi“, die in einer quasi seelenerregten Reaktion den Genius loci mit folgenden Versen beschreibt:

Nur kranke Glieder dachte ich zu bringen,

Wo mystisch deine heissen Wasser springen,

Geheimnisvoll, versagend und erteilend,

Hier jede Hoffnung nehmend, dorten heilend

Die Kur selbst spielt sich zu einem großen Teil im Wasser ab. Über einen längeren Zeitraum werden den Patienten Bäder verschrieben – sogenannte Wannenbäder. Auch Dunstbäder und Einfahrten in den Gasteiner Heilstollen sind Teile einer ganzheitlichen Kur in Gastein. Aber welche Krankheitsbilder mildert die Radontherapie? Zum einen Hautkrankheiten wie Psoriasis und Neurodermitis, zum anderen Erkrankungen des Bewegungsapparats. Auch bei Atemwegserkrankungen wie Asthma und chronischen Lungenerkrankungen soll die Radonkur schmerzhafte Symptome lindern. Durch die Lunge wird das Edelgas aufgenommen und im Körper wird Alphastrahlung freigesetzt. Die regt wiederum die Zellreparatur an. Und so wird ein entzündungshemmender Botenstoff aktiviert. Klingt einfach, ist es auch. Und es zeigt Wirkung – seit hunderten von Jahren. In diesem Sinne: Just do it!

Und wer die Gasteiner Heilmittel testen möchte, sollte einen Blick auf die Gasteiner Kur zum Kennenlernen werfen.

Die öffentliche Felsentherme in Bad Gastein
Die Felsentherme in Bad Gastein ist für jedermann und jederfrau zugänglich. Zwar wird das Radon aus dem Wasser rausgefiltert, die Entspannungswirkung bleibt allerdings in jedem Fall bestehen.

Egal ob Hotel, Pension, Urlaub am Bauernhof oder Ferienwohnung. Hier finden Sie die passende Unterkunft für Ihren Urlaub in Gastein.

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