Ein Zuckerl auf dem Gamskarkogel

Kaiserschmarrn auf der Almhuette in Gastein - Gamskarkogel Kaiserschmarrn-Workshop

Im kargen Gras sitzen, weit über der Zivilisation, den Wind um die Nase wehen lassen und auf den nächsten grünen Gipfel schauen… Gibt’s nur in Schottland, oder vielleicht in Island? Falsch. Das geht auch in den Alpen. Und nur hier gibt’s einen Kaiserschmarrn-Workshop dazu.

Es gibt so Sommertage – meist im August nach dem Trubel des sommer.frische.kunst Art Weekends – da will ich nur meine Ruhe und wieder auftanken. Irgendwo ganz weit rauf. Und dann nicht auf einem harten Felsen sitzen, sondern im Gras… Die guten News: So einen Ort gibt es – ganz in der Nähe sogar. Wenn es den Gamskarkogel im Gasteiner Tal nicht gäbe, hätte ihn vermutlich schon jemand erfunden. Für einen Fantasyroman vielleicht. Was sich selbst der mutigste Autor nicht ausdenken kann ist, dass es hier sogar das himmlischste Essen Österreichs gibt. Bei einem Kaiserschmarrn-Workshop nämlich.

Lange zögern musste ich also nicht, um diese Einladung anzunehmen. Der Gamskarkogel ist der höchste „Grasberg“ Europas. Auf 2.467 Metern steht eine stattliche Hütte – die älteste Schutzhütte Österreichs. Und der Hüttenwirt ist ein Küchenzauberer: Gottfried Härtel und seine Hüttenhelfer Fabs & Michi sind für ihren lässigen Kaiserschmarrn-Workshop bekannt. Jeden Mittwochmittag zeigen sie ihren Gästen, wie man die nationale Lieblings-Mehlspeise zubereitet. Das bedeutet, dachte ich mir: Ganz weit weg sein. Und dann von oben ein Küchengeheimnis wieder mit runternehmen. Ein guter Plan.

Das erste Zuckerl ist der Aufstieg

Zumal, wenn schon der Weg das erste Zuckerl ist – lange vor dem Kaiserschmarrn. Das Alpenhaus Poserhöhe hatte ich mir als Zwischenstopp auf dem Weg zum Ziel ausgesucht. Vom Kötschachtal geht’s eine Stunde etwas steiler bergauf, immer ermuntert von handgemalten Zwergerl-Weisheiten. Spätestens an der Poserhöhe ist es soweit: Von der Terrasse schaut sich’s nach Bad Gastein, umstanden von Bergen… Und mit dem hausgemachten „Schwoazbeersaft“ – Heidelbeersaft, also – stört’s auch nicht, dass das erste Radler des Tages besser noch etwas wartet. Es geht ja noch weiter.

Wander-Wegweiser zur Poserhöhe
Wander-Wegweiser zur Poserhöhe
Ausblick von Poserhoehe auf Bad Gastein
Ausblick von Poserhöhe auf Bad Gastein

Nochmal 3 Stunden zu Fuß dauert´s bis auf den Gamskarkogel. Und der Weg führt wirklich ganz hinauf: Wirklich direkt auf dem Gipfel steht die Gamskarkogelhütte. Das ist aber eigentlich auch ganz recht so. Denn schon hunderte Meter unterhalb des Ziels gibt es freie Aussicht, ganz ohne Bäume: Nur der Weg, eine grüne Grasdecke ringsherum und der weite Blick in die Bergwelt. Wind und der eigene Atem. Und der andere Ausblick, der auf den Mittag: Kaiserschmarrn-Küchenromantik. Das macht Vorfreude.

Zuviel versprochen hatte ich mir da nicht. Die letzten Meter geht’s über einen steilen grünen Grat; wie eine Wanderung über den Rücken der Welt. Und ans letzte Eck der irgendwie ungewohnt weich aussehenden Bergspitze hat wirklich jemand eine Hütte gebaut, und zwar Erzherzog Johann vor fast 200 Jahren. Das wusste ich alles vorher – das Staunen kommt trotzdem ganz unwillkürlich.

Die Bergwelt des Gamskarkogels in Gastein

Morgenstimmung in Gastein auf dem Gamskarkogel

Eine Küche in „bergecht“

Um 13 Uhr, nach einem schweigend eingenommenen Getränk, lädt Gottfried dann in die Küche. Klein ist die Hüttenküche – „bergecht“, gewissermaßen. Gekocht wird auf einem alten Gasherd. Eier, Milch, Staubzucker, Mehl, Butter und Rosinen braucht es. Dann viel Arbeit am Schneebesen. Und Zeit. Der ein oder andere Kniff aus Härtels Erfahrungsschatz hilft natürlich auch… Verraten will ich sie lieber nicht: Manche Rezepte werden dann wohl doch am besten mündlich weitergegeben, wie zu Omas Zeiten.

Dass sich die Arbeit, die so ein nach allen Regeln der Kunst hergestellter Kaiserschmarrn braucht, auch lohnt, ist später glasklar: Dann, wenn die kleine Gruppe der Kaiserschmarrnverköstiger in der kleinen Wirtsstube sitzt und sich eher genüssliches als das berühmte „gefräßige“ Schweigen breitmacht: Heiße Teigfetzen auf der Gabel, die im Mund fast zu schmelzen scheinen… Wer auch immer den Kaiserschmarrn erfunden hat, dem ist ein Geniestreich gelungen. Das Aufhören fällt schwer – auch wenn die Pfanne riesig ist.

Essen in Gastein auf dem Gamskarkogel Kaiserschmarrn

Das Endergebnis ist dann komplette Bergmagie: Knapp 4 Stunden Aufstieg (viel schneller geht’s ab der Rastötzenalm – Hofgastein mit nur 1.5h), unzählige Eindrücke auf dem Weg, ein voller Magen und, jetzt, der Blick von der Hütte in die fast surreale Landschaft… Ja, das ist jetzt tatsächlich ganz weit weg von allem, was nervt und stresst.

Gut, dass der Tag auf dem Gipfel damit noch nicht vorbei ist. Auf der Gamskarkogelhütte kann man auch übernachten – und genau das habe ich glücklicherweise vor. Spürbares Glück ist das spätestens, wenn der Abend hereinbricht. Vielleicht ist das im August am schönsten: Die Spätsommersonne fällt erst lange schräg und warm über die Wiesen – dann versinkt sie hinter den Gipfeln, schickt noch ein paar Strahlen an den Bergrücken entlang… Bevor es lang und blau dämmert. In der Ferne werden ein paar Lichter aus Häusern sichtbar. Auch die: Ganz weit weg.

Abendstimmung auf der Gamskarkogelhütte in Gastein

Schafe auf dem Gamskarkogel beim Wandern in Gastein

Sattessen ist einfach – sattsehen schwer

Sattsehen fällt da schwer… Da ist es beinahe die nächste glückliche Fügung, dass die Beine vom Aufstieg schwer sind. Nach einem Abschluss-Hütten-Zirbenschnaps werden es dann auch die Lider.

Almhuette in Gastein: die Gamskarkogel-Hüttenstube

Lange dauern wird die Nacht trotzdem nicht. Denn pünktlich ein paar Minuten vor dem Sonnenaufgang klingelt der Wecker. Wenn zwischen den Bergen der nächste Tag taufrisch heraufdämmert – frisch ist es übrigens wirklich – ist das schließlich der nächste magische Moment. Auch, wenn er kurz nach 6 Uhr eben sehr früh geschieht.

Sonnenaufgang in Gastein auf der Gamskarkogelhütte

Solange die rötlichen Sonnenstrahlen den Grat vor der Hüte färben, gibt es immer noch keinen Gedanken an das Leben im Tal, nur den Moment: Die Luft ist klar, der Himmel schon blau, der Wind streicht übers Gesicht… Erst beim einfach aber kräftigen Hüttenfrühstück kommt so langsam der Abstieg und das Leben unterhalb der Bergspitzen in den Sinn. Als trotziger Gedanke: Eigentlich würde ich lieber noch ein paar Tage verlängern…

Aber immerhin: Der Weg hinunter ist nochmal ein schöner Abschied von den Eindrücken. Und ein Wiedersehen im nächsten Sommer gut möglich. Bis dahin gibt es sicher ab und an mitten in der Zivilisation mal Kaiserschmarrn – nach Hüttenrezept vom höchsten Grasgipfel Europas.

Wandern in Gastein

Copyright Text & Fotos: Nadin Brendel für Studio5640.com

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