Über Stock und Stein: Der ULTRAKS Bad Gastein

Von Böckstein auf den Stubnerkogel

Ein leises Bangen, der Blick immer wieder prüfend auf den Stubnerkogel gerichtet – sollte die Wolkendecke den Blick auf seinen verschneiten Gipfel zulassen. Der Regen und Schneefall in den letzten Tagen, wenn nicht Wochen, haben für den ULTRAKS Bad Gastein nichts Gutes verheißen. Was das bitte sein soll? Der ULTRAKS ist eine Trailrunning-Rennserie, die an den spannendsten Stationen in den Alpen Halt macht. Ob am Matterhorn oder eben in Bad Gastein am Stubnerkogel: Es geht darum, über sich hinauszuwachsen. Und das wortwörtlich: Die drei Streckenführungen „Short“, „Middle“ und „Long“ haben es in sich.

Training für den ULTRAKS Bad Gastein.
Auch Berni trainiert für den ULTRAKS Bad Gastein. Über 2.900 Höhenmeter und 45 Kilometer gilt es auf der längsten Strecke zu überwinden.

Wegen des schlechten Wetters kürzer als geplant, weisen die Trails immerhin 12, 32 und 45 Kilometer auf – und eine Überwindung von knapp 3000 Höhenmeter bei der anspruchsvollsten Kategorie. Das über Stock und Stein, auf und ab, quer durch die Gasteiner Bergwelt rund um den Stubnerkogel. Schwer vorstellbar für einen „normalen“ Bergwanderer. Deswegen haben wir Sibylle Schild vor dem großen Rennen interviewt – immerhin Bad Gastein ULTRAKS-Testimonial, Physiotherapeutin und Profi-Bergläuferin. Ach ja, und Sibylle ist eine richtige Gasteinerin.

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ULTRAKS Bad Gastein
Wir gratulieren Sibylle Schild aus Bad Hofgastein zum ersten Platz auf der Strecke „Short“.

Wie wird man zur Trailrunnerin? Und welche Voraussetzungen sollte man mitbringen?

Sibylle: Begonnen habe ich als Straßenläuferin, bis hin zur Marathondistanz. Gar nicht gut für die Knie! Irgendwann habe ich bemerkt, dass der Berglauf weniger Schmerzen bereitet. Anfangs bin ich nur klassische Bergläufe gelaufen, heut sind es lange Distanzen und auch Bewerbe mit Bergab-Passagen. Das ungläubige Kopfschütteln von Freunden und Familie verstehe ich (lacht), aber ich liebe es, am Berg zu stehen und runter schauen zu dürfen. Kilometer spielen für mich kaum noch eine Rolle. Was zählt ist Zeit (in der Natur) und Höhenmeter. Dass dabei auf eine spezielle Ausrüstung (Schuhe mit gutem Grip, Rucksack mit mindestens einer Windjacke, ein Telefon, genug zu Essen und Trinken) geachtet werden muss, ist selbsterklärend.

Was macht den Unterschied zum „normalen“ Joggen? Und wie sieht dein Training aus um in der 1. Liga dabei zu sein?

Sibylle: Den größten Unterschied macht für mich die Zeit aus, die ich unterwegs bin. Das sind am Wochenende schon mal vier bis sechs Stunden. Mein Training sieht in der Woche aber auch meist 2 Ruhetage vor. Außerdem verzichte ich auf spezielle Trainingseinheiten mit Intervallen. Dass ich dennoch über die Jahre besser geworden bin, liegt wohl daran, dass es mir so viel Spaß macht, in den Bergen zu laufen. Sicherlich spielt auch irgendwo ein Talent mir. Aber vor allem bin ich total ehrgeizig und stur!

Was macht den ULTRAKS in Gastein aus, was bedeutet er für dich?

Sibylle: Der ULTRAKS Bad Gastein ist natürlich besonders für mich, weil ich mich immer schon gefragt habe, warum in meinem wunderschönen Heimattal kein Trail-Event stattfindet. Endlich ist es soweit! Das triggert meinen Ehrgeiz ungemein.

Was verbindet dich mit Bad Gastein?

Sibylle: Mit Bad Gastein direkt verbinde ich meine Zeit in der Akademie für Physiotherapie. Natürlich laufe ich auch oft nach, durch und oberhalb von Bad Gastein auf meinen Trainingsrunden (lacht).

Hast du einen besonderen Zugang zur körperlichen Gesundheit (Stichwort Thermalwasser etc.)? Bzw. wie entspannst du dich?

Sibylle: Um ehrlich zu sein, bin ich noch nie in den Genuss eines Thermalbades gekommen (und das, obwohl ich Physiotherapeutin bin), aber unsere Thermen genieße ich. Allerdings: Um mitreden zu können, war ich einmalig im Gasteiner Heilstollen. Am besten entspanne ich mich bei einem Kaffee mit Freundinnen oder eben bei einem Thermenbesuch.

Vielen Dank für dieses Gespräch und wir drücken die Daumen für deinen Run am 23. September!

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Und an diesem Samstag war es soweit. Retrospektiv mit einer großen Portion Glück: Das Wetter zeigt sich von seiner schönsten sonnig-herbstlichen Seite. Die Gipfel rund um Bad Gastein leuchten in einem satten braun-rot. 300 Trailrunner kämpfen sich von Bad Gastein über den Stubnerkogel hinab ins Angertal und dann über den Zittrauer Tisch nach Böckstein. Und von dort zurück nach Bad Gastein. Eingangs erwähntes Wetter setzte den ambitionierten Läufern Grenzen im Streckenverlauf. Auf Grund des vielen Regens und der niedrigen Temperaturen wurden die Strecken jeweils um ca. ein paar Kilometer in der Länge gekürzt, hochalpine Passagen ausgelassen.

Ultraks Bad Gastein
Ob Regen oder Schneefall: Die 300 Teilnehmer des ULTRAKS Bad Gastein trotzen jeder Witterung.

Für die – im Tal gebliebenen – Zuschauer steigt die Spannung mit jeder Stunde. Wird Sibylle in ihrer Kategorie den 1. Platz machen? In der Top-Kategorie „Long“ mit über 45km siegte der Bischofshofener Markus Stock in 4 Stunden und 40 Minuten, bei den Damen in dieser Kategorie holte sich die Tschechin Anna Strakova mit 5 Stunden und 20 Minuten den ersten Platz. Die beiden Gasteiner Testimonials Sibylle Schild und Veronika Mayerhofer sicherten sich die Siege bei den Damen auf der „Kurzstrecke“ in 1 Stunde und 41 Minuten und auf der Strecke „Middle“ in 3 Stunden und 40 Minuten. Sibylle musste auf Grund eines Knochenmark-Ödems von der Strecke „Long“ auf „Short“ wechseln, stur blieb sie trotzdem. Wir drücken die Daumen für das nächste Jahr, wenn es bei einem neuen Trailrunning-Event in Gastein wieder hoch hinauf und über manch persönliche Grenzen geht.

Fotocredit: Kristina Erhard, Hermann Fankhauser, Sportograf.com

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Über Stock und Stein: Der ULTRAKS Bad Gastein
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Über Stock und Stein: Der ULTRAKS Bad Gastein
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Der ULTRAKS ist eine Trailrunning-Rennserie, die an den spannendsten Stationen in den Alpen Halt macht. Ob am Matterhorn oder eben in Bad Gastein: Es geht darum, über sich hinauszuwachsen.
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