Die Rückkehr der Schafe – Rush Hour à la Gastein

Schafabtrieb in Sportgastein

Die Gasteiner Berge sind eine einsame Gegend? Schon. Wenn man nur die Menschen einrechnet. Viecher – Tiere also – gibt es an den weitläufigen Hängen der Dreitausender zuhauf. Greif- und hörbar wird das, wenn im Herbst zum Abtrieb hunderte Schafe wieder im Tal ankommen. Und mit einem Fest begrüßt werden.

Knapp über 12.000 Einwohner hat das Gasteinertal zum letzten Jahreswechsel gehabt. Das ist keine besonders hohe Zahl. Aber irgendwie auch eine trügerische. Denn nicht nur die Gäste aus aller Welt fallen bei dieser Rechnung unter den Tisch… sondern auch liebenswerte Einheimische. Denn gezählt werden schließlich immer nur die Menschen – und nicht all die Tiere, die im Sommer friedlich die Berghänge durchstreifen, grasen und mit Glocken und Glöckchen läuten.

Wieviele Viecher hier leben, und wie wichtig sie für die Einwohner des Tals sind… Das wird Anfang September sichtbar, jedes Jahr: Wenn der Sommer in den Berghöhen langsam aber sicher zu Ende geht, kehren beim Schafabtrieb mehr als 1.000 Schafe zurück ins Tal. Einige von ihnen sogar auf den Schultern der Bauernburschen – und alle begrüßt mit einem großen, ziemlich ausgelassenen Fest.

Schafabtrieb, Schnaps & Strudel  – eine starke Kombination

Dabei ist sogar schon für den Besucher an diesem Tag wenig mit Ausschlafen: Ab 10 Uhr morgens herrscht im Nassfeld Erwartung und Betrieb. Musiker spielen auf, mit selbstgemachten Kuchen, Strudeln und, nun ja, auch Lammfleisch vom Grill, wird sich auf die Rückkehr der Schafe vorbereitet – auf gut 1.600 Metern Höhe an der Nassfeldalm. Aber auch auf den anderen Almen ringsum und dem Valeriehaus wird mitgefeiert, während Dutzende Schafhirten schon seit dem Morgengrauen in den Bergen unterwegs sind. Um ihre Tiere zusammenzutrommeln und sicher herunter zu bringen.

Schareckalm im Nassfeld in Sportgastein
Schareckalm

Ganz sicher lässt sich das Sommerende dabei natürlich nie taxieren – aber dieses Jahr passt der Termin ziemlich perfekt: Der Samstag gibt einen Eindruck von einer anderen Seite des Schaflebens in den Bergen. Wind pfeift die Berge hinab, schwere nasse Wolken lungern über dem Nassfeld. Ganz unwillkürlich gönnt man den Schafen da die rechtzeitige Rückkehr in etwas gemütlichere Gefilde.

Herbst im Nassfeld in Sportgastein.

Wenn dann alle angekommen sind, und – Gäste einträchtig neben lodenbehüteten Einheimischen – an den Biertischen im Bergpanorama sitzen, ist natürlich auch schnell klar: Alles gutgegangen, auf der großen Schafsuche. Es klingt, bimmelt und blökt, begleitet von Rufen, Musik und dem Bellen der Hirtenhunde… Ein Spektakel.

Man passt eben aufeinander auf

An diesem Samstag kommt irgendwann doch noch die Sonne heraus, herbstliches Licht lässt die Bäche an den Bergrücken nochmal glitzern – und gelassen-neugierige Gäste hängen die Köpfe über die Holzgatter zu den Schafen. Das schönste Bild dabei: Sicher die jungen Lämmer, die gespannt in die Bergwelt und auf die Besucher gucken. Man passt eben aufeinander auf. Zumindest eine gewisse Weile: Denn dicke, weiche Schaffelle gibt es hier natürlich auch zu kaufen. So viel Pragmatik gehört zum Bergleben. Immer schon.

Copyright Text & Fotos: Nadin Brendel für Studio5640.com

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