Tradition & Genuss: Der Bauernherbst Gastein.

Bauernherbst Gastein

Bunt sind schon die Wälder, Gelb die Stoppelfelder, Und der Herbst beginnt. Rote Blätter fallen, Graue Nebel wallen, Kühler weht der Wind. Franz Schubert muss es ja wissen, könnte es ja gut sein, dass ihm sein Kuraufenthalt in Gastein als Inspiration diente. Wer kann es ihm verdenken, beschenkt doch die „fünfte Jahreszeit“ – wie die Übergangszeit von Sommer auf Herbst genannt wird –  der Bergwelt die Früchte ihrer Arbeit in allen Farben. Gebührend gewürdigt wird der „Bauernherbst in Gastein“ mit vielen Veranstaltungen von 26. August bis 21. Oktober.

Apotheke der Natur: Kräuterkur

Kritisch blickend beugt sich Resi Schafflinger über ihr dicht-grünes Minze-Beet. Neben ihr sind große, schwere Steinbrocken aufgereiht. Resi bringt ihren Kräutergarten auf Vordermann, immerhin steht der Bauernherbst ganz im Zeichen der alpinen Wohlbringer. Resi ist Praktikerin der Traditionellen Europäischen Heilkunde, kurz TEH. Auf dem Streitberghof am Hinterschneeberg hat sie ein Paradies erschaffen: Allerlei Kräuter gedeihen unter ihren Argusaugen, umschwirrt von fleißigen Bienen und bunten Schmetterlingen. „Das alte Wissen über die Bergkräuter hat mich immer schon interessiert, schon als kleines Mädchen auf dem Hof meiner Eltern. In meiner Kräuterküche mache ich heute Kräuterkosmetik und wohltuende Salben, aber auch Salze und Tinkturen. Alle Kräuter, die ich dafür brauche, wachsen in meinem Kräuterplatzl,“ erzählt die energetische Bäuerin. Leidenschaftlich führt sie fort: „Angetan haben es mir die Heilkräuter. Klar, jedes Kraut hat einen wirkungsvollen Inhaltsstoff. Einige allerdings mehr als andere. Ein Klassiker ist die Ringelblume, sie wirkt beruhigend und entzündungshemmend. Die Essenz des Frauenmantels vermindert Blutungen und Kopfschmerzen.“ Zivilisationskrankheiten mit der Kraft der Kräuter mindern?

(c) Kristina Erhard
Resi Schafflinger verarbeitet die Kräuter aus ihrem Garten zu Salben, Tinkturen und Essig. Das kann man lernen: Auf Anfrage nimmt Resi Gäste mit in ihre Kräuterküche.

Interessierte besuchen am 5. September einen Wildkräutervortrag im Festsaal von Dorfgastein oder nehmen am 16. September und 21. Oktober an einer Kräuterwanderung am Mühlhof in Bad Hofgastein teil. Resi Schafflingers „Kräuterplatzl Hinterschneeberg“ und ihre Kräuterküche stehen neugierigen Besuchern den ganzen Tag über offen, auch wenn man nur mal kurz tief einatmen will. Bekanntlich sind Minze, Lavendel und Co. ja auch gut für die Atemwege…

Alles hat ein Ende: Der Schafabtrieb.

Schafabtrieb Gastein
Von hoch oben werden die Schafe von ihren Hirten in das Tal getrieben – eine Spektakel.

Am 9. September heißt es für die Stein- und Bergschafe in den Hohen Tauern zwischen Goldberg- und Ankogelgruppe “Sommerfrische adé”. In den frühen Morgenstunden dieses Tages treiben die Hirten die anvertrauten Schafe von den felsigen Höhen hinunter ins Tal nach Sportgastein. Ein Spektakel, dass man sich nicht entgehen lassen sollte. Unter den lauten Rufen der Treiber und dem Läuten unzähliger Viehglocken läuft die Schafherde in beeindruckender Zickzackformation den engen Saumpfad entlang – vorbei an sportlichen Zuschauern, die schon früh morgens die Berghänge erkletterten, um sich den Schafabtrieb aus nächster Nähe zu sehen. Der Aufstieg lohnt sich ebenfalls: Es ist ein einzigartiger Anblick, ein endlos scheinender Zug von über 1.100 Tieren, geräuschvoll und farbenfroh. Auf der Nassfeldalm werden die Tiere in einem großen Gehege zusammengetrieben und anschließend von ihren Bauern je nach Stall-Zugehörigkeit aussortiert. Das kann eine Weile dauern, deswegen lässt man es sich nicht nehmen, gegrillte Lammkoteletten und regionale Schmankerl zu servieren. Und natürlich musikalisch aufzuspielen.

Ernte gut, alles gut: Der Festumzug.

Johanna ist die Leiterin der Gasteiner Landjugend und organisiert den diesjährigen Erntedank-Umzug.

Etwas Besonderes ist er schon, der Festumzug zum Erntedankfest. Alle zwei Jahre findet er entweder in Bad Gastein oder Bad Hofgastein statt. Viel Arbeit für die junge Bad Hofgasteinerin und Leiterin der hiesigen Landjugend. Trotzdem leuchten Johanna Schafflingers Augen beim Gedanken an den Umzug am 24. September, der durch Bad Hofgastein führen wird. „35 Umzugs-Wagen werden das traditionelle Bauernjahr darstellen,“ erzählt sie, „sogar ein Wagen auf dem in einem Ofen richtiges Bauernbrot gebacken wird.“ Den ganzen Nachmittag wird dieser Umzug dauern – vom südlichen Ende des Dorfes bis zur Postbusgarage, wo am Abend ein Fest mit Tanzmusik von den “Gasteiner Hodalump´n” geben wird. Man kann es die Krönung des Bauernherbstes in Gastein nennen, zumindest aber die größte Veranstaltung. Alleine die vielfältige bäuerliche Traditionsgeschichte samt der bunten Gasteiner Trachten sind einen Besuch des Umzugs wert.

Strohpuppen auf Perchtenlauf.

Seit dem 14. Jahrhundert gibt es alle paar Jahre zum Neujahrs- und Heiligen-Drei-Königstag in Bad Gastein und Bad Hofgastein den Perchtenlauf. Vor ein paar Jahren wurde der traditionelle Umzug in die UNESCO Liste für immaterielles Kulturerbe aufgenommen. Zum Bauernherbst werden die Figuren des Perchtenlaufs als Heumandl’n am Ullmanngut bei Bad Gastein ausgestellt. Das ist Aufgabe von Resi Rehbichler. Man könnte sagen, sie ist die Mutter der bunt gekleideten Strohpuppen. Schon im Frühjahr werden in Handarbeit zuerst der Bauer und die Bäuerin, dann der Rösslreiter und der Perchtenhauptmann gebastelt. Dazu gesellen sich über den Sommer das Zapfenmandl, der Kaminkehrer und der Kasperl. „Die Figuren des Perchtenlaufs sind eine alte Tradition bei uns im Tal, jede sogenannte Schön- und Schiachperchte hat seine Geschichte. Zum Bauernherbst werden Perchten aus Stroh am Ullmannhof ausgestellt, wie ein stummes Theater. Da erweist der Hauptmann dem Bauern und seiner Bäuerin Referenz, auch ein Kasperl – er wirft mit Puppen, das ist bei uns ein Fruchtbarkeitssymbol,“ erzählt die Eggbäuerin aus Bad Gastein.

Ganz abgesehen davon: Das Ullmanngut für sich ist schon einen Besuch wert, die Mauern des Altgasteiner Hofes datieren bis ins 16. Jahrhundert zurück.

Herbstgenüsse am Teller.

Ach, was wäre der Herbst in den Bergen ohne seine Fülle an Schmaus und Trank – frisch von den Almen und Höfen? Wenn sich der Sommer seinem Ende neigt, die Bauern das Heu eingefahren und das Vieh in die Ställe getrieben haben, rückt die Küche in den Fokus. Die gusseisernen Pfannen glühen, das Gulasch vom Wild schmeckt würzig nach Wald und Wiese. Die Krapfen mit Kraut oder Preiselbeeren läuten die Winterzeit ein, dem Kaiserschmarrn sieht man die frischen Eier und die Almmilch an. Herbstzeit ist Schmankerlzeit. Auf der Steiner Alm am Fuße des Wetterkreuzes kann man mit der Wirtin jeden Dienstag ab 12:00 „Blatt´lkrapfen“ backen. Zusammen mit cremigem Sauerkraut sind die knusprigen, dünnen Krapfen eine absolute Spezialität der Region. Jeden Mittwoch bis Mitte September wird der österreichische Mehlspeisen-Kulinariker auf der Gamskarkogelhütte in die Geheimnisse des Kaiserschmarrns eingeweiht. Kinder dürfen jeden Donnerstag auf der Amoseralm Bäckerlehrlinge spielen und frisches Bauernbrot backen. In diesem Sinne: Mahlzeit und einen fröhlich-schmackhaften Bauernherbst!

Fotocredit: Kristina Erhard, Agentur G’spür;

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