Pünktlich zum große Finale der besten 16 erstrahlte die Bucheben am Fuße des Stubnerkogels im Sonnenschein. Sechs von acht ÖSV-Boardern zogen souverän ins Viertelfinale ein, doch da kam für ein Quintett das Aus. Karl musste sich dem Südtiroler Aaron March um 0,07 Sekunden geschlagen geben. „Es fehlt im Moment der absolute Wille zum Sieg, die letzte Motivation ist nicht vorhanden“, gab der Weltmeister, Olympiamedaillengewinner und Gesamtweltcupsieger zu. Das Gelbe Trikot des Weltcupführenden musste er an den Italiener Fischnaller abgeben. Dieser besiegte im Finale Karl-Bezwinger March. Ebenfalls in der Runde der letzten Acht war Endstation für Ingemar Walder und Anton Unterkofler, die die Ränge sieben und acht belegten. Snowboard-Urgestein Sigfried Grabner wurde Zehnter. Jauerling-Triumphator Andreas Prommegger scheiterte überraschend in der Qualifikation, nahm seine Zuschauerrolle im Finale aber nicht tragisch: „Man muss auch das Siegen erst lernen. Ich hab‘ nach dem Rennen in Niederösterreich nur wenig geschlafen, mir hat heute die Kraft gefehlt. Aber lieber ein Sieg und ein ‚Nuller‘, als zweimal Halbfinale.“
Nachdem auch Lokalmatadorin Riegler („Es ist zwar mein bestes Slalom-Resultat in der Saison, aber ich habe mir mehr erhofft und erwartet“) und Julia Dujmovits (6.) im Viertelfinale ausschieden, lag es an Kreiner, vor rund 2.000 Zuschauern die Kohlen aus dem Feuer zu holen. „Mit einem Stockerlplatz muss man immer zufrieden sein. Aber es wäre mehr drinnen gewesen, schließlich fahr ich nicht Rennen, um Dritte zu werden, sondern um zu gewinnen“, so die ehrgeizige 30-jährige Steirerin, die im kleinen Finale die Japanerin Tomoka Takeuchi besiegte und bereits zum vierten Mal Dritte wurde in dieser Saison. Die Schweizerin Patrizia Kummer scheint das oberste Podest gepachtet zu haben. Sie prolongierte auch in Gastein ihre Siegesserie und machte mit dem Finalsieg im Stallduell gegen Julie Zogg ihren vierten Triumph insgesamt und den dritten in Folge perfekt. „Es läuft alles wie im Film ab zurzeit, dass ich es gar nicht erklären kann, warum es so gut läuft“, sagte die Schweizerin, die ihre Führung im Weltcup weiter ausbaute.
Wie im Film präsentierte sich heute auch die Bucheben. Bei bis zu minus zehn Grad, strahlendem Sonnenschein und weißer Winterlandschaft wurde den Fans am Fuße des Stubnerkogels und jenen vor den TV-Schirmen wieder eine Show geboten. Eine Show, wie sie zum 100. Geburtstag des Skiclubs Bad Gastein nicht besser inszeniert hätte werden können. Präsident und OK-Chef Franz Weiss bilanzierte dementsprechend glücklich und stolz: „Eine Veranstaltung, wie man sich sie wünscht. Vom Wetter über die Zuschauer bis zu den sportlichen Leistungen dürfen wir mehr als zufrieden sein.“ Mit einem Lächeln in Richtung Schweiz meinte er: „Die Österreicherinnen haben sich im Namen des Veranstalters revanchiert und den Eidgenossen den Vortritt gelassen, nachdem wir dankenswerter Weise ihr Rennen bekommen haben.“ In Gastein wäre ursprünglich ein Boardercross geplant gewesen, der aufgrund der Witterungsbedingungen in der Vorweihnachtszeit in Gastein nicht stattfinden konnte. Die Schweizer haben daraufhin den SBX übernommen, Bad Gastein im Gegenzug den Parallelslalom von Veysonnaz ausgetragen.
Nach mittlerweile 20 Weltcuprennen (zehn PSL, zehn SBX) in den vergangenen elf Jahren, spekuliert Gastein für 2013 erstmals mit einem Slopestyle-Bewerb. Gespräche mit dem Weltskiverband FIS in diese Richtung haben bereits begonnen.
Das Finale wird heute, Sonntag, um 16.40 Uhr auf ORF eins und um 19.30 auf Eurosport 2 noch einmal ausgestrahlt. Außerdem sind Österreichs Snowboarder ab 18.00 Uhr bei „Sport am Sonntag“ zu Gast.