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Pendlerin zwischen Schwabenländle, Hochgebirge und Wolkenkratzern
Pendlerin zwischen Schwabenländle, Hochgebirge und Wolkenkratzern
Stuttgart - Gastein - USA und zurück
Die Stuttgarter Architektin Marion Schmelzle verbrachte 2004 einen Almsommer auf der Amoseralm in Dorfgastein im Salzburger Land - und trotz aller Weltenbummlerei zieht es sie immer wieder zurück an dieses paradiesische Fleckchen Erde. Stuttgart / Dorfgastein.
Schon als Kind wollte sie immer einmal einen Sommer auf einer Alm verbringen. Das allein ist nicht weiter verwunderlich, da ihre Mutter auf einem Bergbauernhof in Osttirol aufgewachsen ist. Der Traum geriet jedoch über Schule, Studium und Beruf ein wenig in Vergessenheit.
Auf einer Zugfahrt Anfang 2004 jedoch kam ein Wink des Schicksals. Sie las in einer Zeitschrift den Bericht eines Mannes, der einen Sommer auf einer Alm in der Schweiz verbracht hatte. Damit war der Traum zu neuem Leben erwacht und die Abenteuerlust ließ sich nicht mehr bändigen. Da die moderne Technik heutzutage schon überall Einzug gehalten hat, fand sie im Internet eine 3-monatige Stelle als Sennerin auf der Amoseralm bei der Familie Röck. Im Juli 2004 stieg Marion mit „Stallg'wand“ und etwas für alle Wetterlagen in den Zug nach Dorfgastein und auf die Frage, ob sie sich dieser Herausforderung wirklich stellen wolle, antwortete sie wie schon als Kind vor neuen Aufgaben: „Respekt hab ich schon davor, aber ich mach’s trotzdem.“
Die erste Woche war dann ziemlich hart. Trotz der sehr herzlichen Aufnahme in die „Almfamilie“ und der atemberaubend schönen Bergkulisse rutschte das Herz kurzzeitig ein bissl tiefer ins Dirndl. Der normale Arbeitstag als Architektin beginnt um 8 Uhr und dauert zwar oft lang, wird aber hauptsächlich im Sitzen und vor dem Computer verbracht.
Die körperlich anstrengende Arbeit in der urigen Hütte erforderte daher etwas Eingewöhnungszeit. Obwohl die Hütte mit fließendem Wasser und Stromgenerator sehr komfortabel ist, mutet das Kochen auf dem Holzofen und ein Erdkeller als Kühlschrank vielen Zeitgenossen fast steinzeitlich an. Außer dem Handy für Notfälle hatte sie die meisten scheinbar unentbehrlichen Errungenschaften der Technik im Tal gelassen. Fernseher oder Computer braucht man nicht, auch das Radio schaltet man selten ein und der Trubel im Tal geht einem kaum ab.
Der Tag auf der Alm folgt einem ganz eigenen Rhythmus und obwohl viele Arbeitsgänge immer wieder kehren, verläuft jeder Tag in wohltuender Weise anders und erfordert Flexibilität - und hin und wieder auch Gelassenheit, vor allem wenn die Gäste den Stress der modernen Welt nicht im Tal lassen können oder die Kühe einfach nicht folgen wollen. Der Arbeitstag beginnt um halb sechs Uhr morgens, wenn der Holzofen geheizt wird, um Wasser für den Kaffee zu kochen und den Frühstückstisch in oder - bei schönem Wetter - vor der Hütte zu decken. In der Zwischenzeit werden die Kühe gemolken und die Tiere gefüttert - der „Streichelzoo“ der Amoseralm besteht aus einer Wollsau mit ihren Ferkeln, einem Bergschaf mit Lämmchen, Hasen, Hühnern, einer Schar Forellen im Teich und der Hauskatze, die für die Vertilgung der zahlreichen Mäuse zuständig ist. Anschließend werden die Kühe auf die Weide getrieben und es ist Zeit für ein gemeinsames Frühstück mit Sennerin Greti. Für einen kreativen Nachtmenschen ist diese Uhrzeit zwar eher ungewohnt, aber die klare Luft macht einen im Nu munter und die Aussicht entschädigt für alles. Nach der kurzen Rast wird die Hütte auf Vordermann gebracht, der Stall ausgemistet, die Jausen für die Wanderer vorbereitet, Bauernkrapfen gebacken und vieles mehr. Zweimal in der Woche ist außerdem Brotbacktag, an dem 30-40 Laibe Brot im Holzbackofen vor dem Haus gebacken werden. Dies ist laut Marion eine der schönsten Tätigkeiten auf der Alm.
Wenn man in der Sonne steht, Brotteig knetet und das Panorama genießt hat man sicher denselben Erholungswert wie bei einer Meditation. An anderen Tagen wird die Milch zu Käse, Butter und Quark verarbeitet. Ab Mittag bis in den frühen Abend hinein ist man dann mit der Bedienung der Tagesgäste beschäftigt. Nachdem sich die Wanderer wieder auf den Weg ins Tal gemacht haben, wird aufgeräumt, die Kühe werden in den Stall getrieben und erneut gemolken. Langsam kehrt dann wieder Ruhe ein auf der Alm und man genießt noch ein wenig die blaue Stunde, bis man gegen einundzwanzig Uhr todmüde aber glücklich ins Bett fällt.
In Gastein fand Marion ein Paradies. Sie erlebte einen traumhaften Almsommer, so dass es ihr sehr schwer fiel dieses wieder zu verlassen. Doch das Schicksal hatte eine neue Wendung parat. Sie erhielt das renommierte Fulbright - Stipendium für ein Aufbaustudium in den USA und ihr Weg führte sie 2005 in die Südstaaten der USA nach Savannah / Georgia, wo sie am Savannah College of Art and Design ein Jahr Architektur und Fotografie studierte. Sie graduierte mit herausragendem Erfolg und mit dem Titel ‚Master of Architecture' ging es weiter nach Washington DC und New York City, wo sie für die Architekturfirma SmithGroup Inc. als Juniorarchitektin an Projekten wie dem „Reynolds Center for American Art and Portraiture“, dem „National Zoo“ in DC und der „New York Law School“ arbeitete.
Nach Ablauf des Arbeitsvisums im Frühjahr 2007 kehrte sie ins Schwabenland zurück und arbeitet seitdem als Architektin in Stuttgart. Es dauerte allerdings nicht lange, bis die Sehnsucht zu groß wurde und sich erneut die Gelegenheit ergab einen Monat auf der geliebten Alm zu verbringen. Die freundschaftlichen Bande ins Gasteinertal sind über die Jahre und den Ozean bestehen geblieben.
Es gibt viele Leute, die meinen "Architektur und Alm passe doch nicht zusammen", berichtet Marion. Ein Irrtum ihrer Meinung nach, denn wer unsere Umwelt und Natur nicht zu schätzen weiß und bewußt wahrnimmt, kann auch niemals gute und nachhaltige Architektur machen. Und zweites passt was einem gut tut.
Die beiden vermeintlichen Extreme verbinden sich in ihrer Person zu einem Ganzen und die Auszeiten auf der Alm ermöglichen ihr, Kraft und Energie für neue Aufgaben zu tanken, in sich zu gehen und die Seele baumeln zu lassen. Und hierfür ist kein Ort der Welt besser geeignet als eine Hütte inmitten der Natur umgeben von Bergen, Freiheit und meist netten Menschen. Eine Wiederholung wird vermutlich folgen….
Marion Schmelzle
m. arch/diplom-ingenieurin (FH)
Weinbergweg
171139 Ehningen
Mobil +49 172 7570885
Tourismusverband Dorfgastein
5632 Dorfgastein 16
Telefon +43 6432 3393 460
Email info@dorfgastein.com
Web www.dorfgastein.com
Amoseralm, Familie Röck,
A – 5632 Dorfgastein
Telefon +43 6433 7285
Email amosergut@aon.at
Web www.members.aon.at/amosergut
